Grußwort 2026
Im Jahr, in dem wir den 250. Geburtstag des Dichters E.T.A. Hoffmann begehen – einer der eigenwilligsten und einflussreichsten Autoren der deutschen Romantik –, lohnt es sich, daran zu erinnern, dass der heute so berühmte Autor kein durchweg kalkulierbarer Erfolgsgarant war. Der schwer einzuordnende Grenzgänger schuf Texte, die mit dem Changieren zwischen Fantasie und Wirklichkeit, mit dem Vordringen in psychologische Untiefen zugleich irritierten und faszinierten. Vor allem aber führte seine satirische Darstellung preußischer Justiz- und Polizeifiguren in „Meister Floh“ zu Beschlagnahmungsmaßnahmen bei seinem Verleger. Dieser stand unter erheblichem Druck und ging dennoch das unternehmerische Risiko ein, das Werk – wenn auch in gekürzter Form – zu veröffentlichen.
E.T.A. Hoffmanns heutiges Renommee macht uns bewusst, dass Bedeutung dort entsteht, wo Verlage den Mut haben, auch scheinbar Abseitiges, Mehrdeutiges zu erkennen und zu fördern. Diese Fähigkeit, mit Courage und hohem persönlichem Einsatz echtes ästhetisches Potential aufzuspüren, Innovation zu erkennen, neue Impulse zu setzen, bildet die Grundlage für unsere reiche, vielfältige Verlagslandschaft – und genau darum geht es beim Deutschen Verlagspreis.
Sie, die Verlegerinnen und Verleger, bringen Stimmen in die öffentliche Debatte, die sonst ungehört blieben. Sie experimentieren, wagen und setzen Zeichen – gegen Monokultur, für Vielfalt, und auch für Ungelesenes, für den produktiven Dissens, den eine Demokratie braucht.
Mit dem Deutschen Verlagspreis würdigt die Bundesregierung 2026 zum achten Mal diese herausragende verlegerische Arbeit. Mein Dank und mein Respekt gelten all jenen Verlegerinnen und Verlegern, die mit Mut, Haltung und Leidenschaft und vor allem mit Ausdauer für einen großen Reichtum verlegerischer Stimmen stehen und damit gleichzeitig einen wesentlichen Beitrag zu einer vielstimmigen Öffentlichkeit leisten.
Ich ermutige Sie, liebe Verlegerinnen und Verleger, sich mit Ihrem Verlag um diese Auszeichnung zu bewerben, und wünsche Ihnen dabei viel Erfolg!
Dr. Wolfram Weimer
Staatsminister für Kultur und Medien
Quelle: BKM / Kay Herschelmann